Gabriele Riesner Architektin
Gabriele
Riesner
Architektin

Umbau eines Stallgebäudes
Bauherr:privat
Ort:Friedenfelde/Uckermark
Grundstücksgröße:5100 m²
Wohnfläche:105 m²
Baubeginn:Herbst 2006
Fertigstellung:Herbst 2007
Leistungsphasen:1-9
Fotos:André Baschlakow
Der alte Dorfkrug von Friedenfelde
Im Denkmalbericht zur Friedenfelder Pflasterstraße wird auch die zur 1743 gegründeten Ortschaft Friedenfelde zugehörige Krugwirtschaft und die Schmiede erwähnt.
Das Haus wurde nach denkmalpflegerischen Grundsätzen restauriert, wobei bestehende bauliche Veränderungen, wie das Ziegelaußenmauerwerk oder der Anbau des Tanzsaals sichtbar gelassen wurden und auch zu den handwerklichen Konsequenzen geführt haben, die Tür- und Fensterstürze als Stichbögen zu mauern.
Im Innenbereich wurde die ursprüngliche Raumaufteilung wiederhergestellt und die Spuren der einstigen Nutzung, beispielsweise die verrußten Ziegelbögen der schwarzen Küchen, sichtbar gelassen.
Es wurde darauf geachtet, alle vorhandenen und noch nutzbaren Baustoffe im Haus wiederzuverwenden, wie die Aufbereitung des Altlehms und die Wiederverwertung der zerbrochenen Dachziegel für die Kachelöfen.
Der konsequente Einsatz von historischen, zumeist regionalen Baumaterialien und Elementen, wie Balken, Ziegelsteinen, Dachziegeln, Ofenkacheln, Fliesen, Dielen, Türen und Türverkleidungen, Granitstufen, behauenen Feldsteinen, Kastenschlössern und Beschlägen schafft nicht nur eine homogene Ästhetik sondern ist auch ökologisch vorteilhaft,, da Energie für ihre Neuherstellung nicht benötigt wird. Bei den verwendeten neuen Baumaterialien wurde möglichst auf ökologische, vornehmlich regionale, nachhaltige und für die Gesundheit unbedenkliche Produkte zurückgegriffen, wie Glasschotter aus recyceltem Altglas, Holz, Kalkmörtel, pflanzliche Lacke, Hanf, die auch bei einem möglichen Ausbau späterhin die Umwelt nicht belasten würden.
Zusammenfassend läßt sich sagen, daß das Haus zu etwa 80% aus wiederverwendeten Baustoffen restauriert worden ist.
Für die Ausführung der Restaurierung und der Baumaßnahmen kamen neben unserer Eigenleistung ausschließlich Handwerker aus der näheren und weiteren Umgebung zum Einsatz, die mit ihrer Fachkenntnis im Umgang mit historischer Bausubstanz dieses Projekt zum Gelingen brachten und weiterhin bringen.
Es ist unser Anspruch, mit der Restaurierung des Friedenfelder Dorfkruges die Ablesbarkeit von Geschichte zu ermöglichen. Auch ästhetisch verknüpft sich der freigelegte Feldsteinsockel mit dem historischen Straßenpflaster der vorbeiführenden Dorfstraße. Zusammen mit dem gegenüberliegenden Bauernhaus mit seinem Anbau, dem ehemaligen „Konsum“ und dem rückseitig ausgebauten Stall bilden die Gebäude und die Straße ein einprägsames Ensemble. Der Krug als Treffpunkt des Ortes, mit seinen Tanz- und Kinoveranstaltungen und Livemusik und der gegenüberliegende Konsum von „Tante Bertha“, der letzten Besitzerin, genießen noch heute bei der älteren Bevölkerung einen legendären Ruf.